16-BIT. 100 % HERZ // KICKSTART 3.1 // WORKBENCH LOADED
Dein A500 liefert 15-kHz-RGB, dein neuer 4K-Monitor will HDMI oder DisplayPort. Das ist das Haushalts-Retro-Problem. Hier sind die fünf gängigen Lösungen — von "10 Euro und funktioniert" bis "500 Euro und perfekt".
Der Amiga gibt an seinem DB23-Port ein analoges RGB-Signal mit 15 kHz Horizontalfrequenz aus (A500/600/1200 OCS/ECS; AGA kann auch 31 kHz). Moderne Monitore verlangen 31 kHz aufwärts. Zwischen beiden liegt ein Scaler/Converter. Die Qualität des Bildes hängt stark davon ab, wie gut der Scaler arbeitet.
Raspberry-Pi-basierter Digital-Capture. Open Source. Liest das RGB-Signal pixelgenau (kein analoges Re-Sampling), gibt HDMI aus. Genau das was die Amiga-Community 2024+ als Standard etabliert hat.
FPGA-basierter Line-Doubler (kein Scaler!) — multiplyt die 15-kHz-Zeilen auf 31/60/120 kHz, aber ohne Interpolation. Ergebnis: gestochen scharf, aber nicht alle TVs/Monitore akzeptieren das Signal. Sehr beliebt bei Konsolen-Enthusiasten.
Der ~20-€-Billig-China-Scaler GBS-8200 + ESP8266 mit GBS-Control-Firmware ergibt einen erstaunlich passablen RGB-zu-VGA-Konverter. Kein HDMI out direkt — man braucht noch einen VGA-HDMI-Adapter (5-10 €) dahinter.
Individual Computers' interner Flickerfixer — wird direkt auf den Denise/Lisa Chip gesteckt. Gibt ein DVI/HDMI-Signal intern am Amiga aus. Kein externes Kästchen, kein Kabelsalat.
Der legendäre Micomsoft Framemeister (Japan) — war jahrelang die Referenz, wird nicht mehr hergestellt. Gebraucht auf eBay ~400-600 €. Lohnt sich nur noch bei Sammlern, RGB2HDMI hat ihn funktional überholt.
| Lösung | Preis | Qualität | Einbau |
|---|---|---|---|
| RGB2HDMI | 35-90 € | Sehr gut | Extern, Plug'n'Play |
| OSSC | 130-160 € | Sehr gut (Line-Doubler) | Extern, Plug'n'Play |
| GBS-Control | ~40 € | OK | Extern, aber Löten für ESP |
| Indivision MK3 | 190-240 € | Sehr gut | Intern, Chip-Sockel |
| Framemeister | 400-600 € (gebr.) | Premium | Extern |
Von einem Pokerspiel mit Atari in Kalifornien bis zum modernen Apollo-Standalone — der Weg des Amiga über 40 Jahre. Kein Linearer, aber ein faszinierender.
Jay Miner und Partner gründen Hi-Toro (später Amiga Corporation) in Santa Clara, Kalifornien. Das Ziel: die nächste Generation Grafik- und Sound-Hardware. Anfangs als Spielkonsole gedacht, dann Computer.
Amiga Corp. steht kurz vor der Pleite. Commodore kauft die Firma für 24 Mio USD — bekommt damit das fast fertige Custom-Chipset (Agnus, Denise, Paula). Atari (mit Shareholder Jack Tramiel) war der andere Interessent und verlor.
Launch in New York, Andy Warhol und Debbie Harry auf der Bühne. Der A1000 hat 256 KB RAM, Kickstart 1.0 von Diskette (noch nicht im ROM!), und die damals beispiellosen 4.096 Farben. Preis: 1.295 USD. Zielgruppe: Kreative, Wissenschaftler — nicht Spieler.
Der A500 wird DER Heimcomputer Europas. Kickstart 1.2, 512 KB, für ~800 DM. Der A2000 kommt als Profi-Variante mit Erweiterungsslots. Spielehersteller entdecken die Plattform — 1987 startet die goldene Amiga-Ära.
Der A3000 mit 68030, Hi-Res-Interlace und Kickstart 2.0 (im ROM). Neue Workbench-Optik, endlich ein "erwachsenes" AmigaOS. Nur: der A3000 war zu teuer und verkaufte sich schlecht.
Das Advanced Graphics Architecture-Chipset kommt mit dem A1200 (Heimcomputer) und A4000 (Profi). 262.144 Farben gleichzeitig, HAM8, doppelte Bandbreite. AmigaOS 3.0. Aber: PC und SVGA ziehen bereits davon — der Abstand schrumpft.
Commodore International meldet Insolvenz an. Mismanagement, verpasste Chancen, keine Strategie gegen Windows 95. Die Amiga-Community ist geschockt. Was bleibt: Millionen Geräte im Umlauf, eine riesige Fan-Basis, und Jahre der Ungewissheit.
Escom kauft die Marke 1995. Produziert kurz den A1200 und A4000T. Geht 1996 ebenfalls pleite. Gateway kauft 1997, verkauft 1999 an Amiga Inc.. Kaum neue Geräte, viele Versprechen, wenig Substanz.
Hyperion Entertainment (Belgien) bekommt den Auftrag, AmigaOS auf PowerPC zu portieren. AmigaOS 4.0 erscheint 2004 — nur für sehr seltene PPC-Hardware (AmigaOne). Marktanteil: homophatisch. Aber: das Projekt lebt.
Parallel entstehen zwei alternative Amiga-OS: MorphOS (PowerPC, kommerziell) und AROS (Research OS, Open Source). Beide existieren bis heute — AROS läuft sogar als ROM-Ersatz in Emulatoren.
Die Retro-Szene explodiert. WHDLoad wird zum Standard. Emulatoren (WinUAE, FS-UAE) werden produktionsreif. Apollo-Accelerators bringen die ersten FPGA-Turbokarten, später die Vampire-Karten.
Hyperion überrascht: eine moderne AmigaOS 3.1.4-Version für Classic-Amigas (A500/A1200/A4000). Erstes neues OS seit 1993 für die originalen Geräte. Ab da rollt es weiter — 3.2 (2021), 3.2.2 (2024), 3.2.2.1 (2025).
Claude Schwarz stellt PiStorm vor — ein Raspberry Pi als Amiga-CPU-Emulator. Open Source, günstig, extrem schnell. Mit Emu68 (2022+) wird es zum neuen Referenz-Accelerator.
Apollo Accelerators bringt den V4+ Standalone — ein eigenständiges Amiga-System mit 68080-Core, SAGA-Chipset, HDMI, 1 GB RAM. Kein Amiga, aber ein voll kompatibles "Reborn-System".
Die Amiga-Szene ist 2026 aktiver als in den letzten 20 Jahren zusammen: aktive Foren, neue Hardware (Vampire, PiStorm, Gotek), aktive Demo-Produktionen bei der Revision jedes Jahr, neue Spiele (Tower 57, Inviyya, Wings of Death-Ports), offenes OS (AROS, AmigaOS 3.2), aktive Entwickler-Community. Der Amiga lebt — weil seine Fans ihn nie losgelassen haben.
7,09 MHz reichen nicht mehr? Drei Wege, deinen Amiga in die Moderne zu beamen: Vampire (FPGA-Magie), PiStorm (Raspberry Pi als CPU) und TerribleFire (echte 68k-Silizium-Power). Hier ist das Duell.
Ein originaler Amiga ist Kulturgut — aber auch ein Flaschenhals. Der 68000er im A500 läuft mit 7,09 MHz, WHDLoad-Games ruckeln, AmigaOS 3.2 kriecht. Ein Accelerator tauscht die CPU gegen eine schnellere Variante, bringt oft Fast-RAM, CF/IDE-Storage und teils sogar RTG-Grafik mit HDMI. Drei Ansätze dominieren 2026.
FPGA-basierter "Reborn-Amiga" des Apollo-Teams. Der Apollo 68080-Core ist ein eigenständiger 68k-kompatibler Prozessor mit 64-Bit-AMMX-Einheit, Superscalar-Pipeline und SAGA-Chipset (SuperAGA) inkl. Maggie-3D-Unit, 32-Bit-RTG und digitalem Video-Output.
Aktuelle Modelle:
Leistung: ~160 MIPS / 80 MFLOPs — Faktor ~230 zu 68000 @ 7 MHz. Etwa PowerPC 750 @ 800 MHz mit AMMX.
Preis: V4+ Standalone Basis ~535 € brutto (shop.apollo-computer.com). Vollausbau bis 700-800 €.
Open-Source-Projekt (captain-amygdala/GitHub). Ein Raspberry Pi ersetzt den 68k-Sockel und emuliert die CPU per Software. Emu68 (Bare-Metal-JIT, Michal Schulz) ist heute der Standard-Software-Stack.
Varianten 2026:
Leistung: Pi 4 / CM4 @ 1,8 GHz liefert ~2.050 MIPS mit Emu68 v1.1 — schneller als jede reale 68060. 256-512 MB emulierter Fast-RAM, 2-GB-Limit (AmigaOS).
Preis: PiStorm Board only ~58 €, Komplettpaket mit Pi 3A+ ~120-190 €. PiStorm32-Lite ~85-90 € Board, komplett ~130-170 €.
Kaufen: AMIGAstore, AmigaKit, RetroPassion, Ultimate MiSTer — alle mit fertiger Assembly.
Komplett Open-Source-Hardware (KiCad + Firmware auf GitHub). Klassischer Ansatz: echte Motorola-68030 / 68060-CPUs auf eigenem PCB. Kein FPGA-Magic, kein Pi.
Aktuelle Karten:
Leistung: 68030 @ 50 = 8-12 MIPS, 68060 @ 100 = ~110 MIPS. Weniger als Vampire/PiStorm — aber native CPU mit maximaler Software-Kompatibilität.
Kaufen: AMIGAstore, RetroPassion, AmiBay, gelegentlich Tindie.
| Kriterium | Vampire V4+ | PiStorm32-Lite | TF1260 |
|---|---|---|---|
| CPU-Äquivalent | 68080 @ 100 MHz (FPGA) | 68040-2000 MIPS (emul.) | 68060 @ 50-100 MHz (real) |
| Speedup zu 68000 | ~230x | ~280x | ~100-150x |
| RAM | 512 MB / 1 GB DDR3 | bis 2 GB (Pi-RAM) | 128 MB Fast-RAM |
| Storage | 128 GB CF + microSD | microSD (Pi) | 2,5" IDE |
| HDMI / Digital | ja, bis 1080p | ja (Pi-HDMI) | nein |
| RTG | SAGA 32-Bit | via Emu68 | nein |
| Preis | 535-800 € | 85-170 € | 250-350 € |
| Target-Amiga | Standalone | A500-A2000-A1200-A600 | A500/A1200/A2000 |
| Installation | keine (Standalone) | Plug'n'Play | Plug bis Löten |
| Zukunftsfähigkeit | Core-Updates aktiv | Emu68 laufend | stabil, fertig |
PiStorm (DIP) + Pi 3A+. Unter 120 € komplett. Kickstart 3.2 + WHDLoad + HDMI-RTG = fast alles läuft. Preis-Leistungs-Sieger.
PiStorm32-Lite mit Pi 4B oder CM4. Echter AGA bleibt, ~2.000 MIPS, HDMI-RTG. Oder Vampire V4 Standalone für "Reborn-Amiga" ohne Original-Chipset.
PiStorm DIY (GitHub, PCB bei JLCPCB, Pi 3A+) — ~50-70 €. Oder TF534-DIY wenn du löten kannst.
Ganz klar: PiStorm / PiStorm32-Lite. Kein anderer Accelerator liefert so viel MIPS pro Euro, plus Open Source, aktive Entwicklung, riesige Händlerbasis.
TF1260 für A1200, TF534 für A500. Echter 68k — keine Emulations-Quirks bei Timing-kritischen Demos.
Vampire V4+ Standalone. Fertiges System im CDTV-Black-Case, 2 W lüfterlos, ApolloOS ab Werk. Premium-Erlebnis.
Die Amiga-Demoscene ist seit 1985 eine der prägendsten Subkulturen der Retro-Welt. Kleine Teams erschaffen Audio-Visual-Produktionen in Echtzeit auf festgelegter Hardware. Hier sind 20 Produktionen, die man kennen muss — chronologisch, mit Pouet-Links und YouTube-Captures.
| # | Titel & Gruppe | Jahr | Warum beruehmt | Links |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Mental Hangover Scoopex | 1990 | Blaupause fuer das "Trackmo"-Format. OCS-Meilenstein. | pouet |
| 2 | Enigma Phenomena | 1991 | Raytracing-Grafik + dichte Atmosphäre — frühe Design-Benchmark. | pouet |
| 3 | Odyssey Alcatraz | 1991 | Fünfteilige Langform (~40 Min.), cineastisches Storytelling. | pouet |
| 4 | Hardwired Crionics & The Silents | 1991 | Genre-definierende Megademo. Musik von Jesper Kyd. | pouet |
| 5 | Global Trash The Silents | 1991 | Frühe Synth/Sample-Tracks, ikonische Effekte. | pouet |
| 6 | Jesus on E's LSD | 1992 | Rave-Ästhetik, 2-Disk-Produktion, Acid-House-Zeitgeist. | pouet |
| 7 | State of the Art ⭐ Spaceballs | 1992 | Rotoskopierte Tanzszenen + Acid-Jazz — DIE Einstiegsdroge in die Szene. | pouet |
| 8 | Rink A Dink Lemon. | 1993 | Extrem polierte Effekte, Vektor-Tunnel. 2013 als "Redux" neu aufgelegt. | pouet |
| 9 | Desert Dream Kefrens | 1993 | Zwei-Disk-Epos der dänischen Szene: 3D-Vektoren, Soundtrack von Laxity. | pouet |
| 10 | 9 Fingers Spaceballs | 1993 | Polygonisierte Tanzszenen, live gefilmtes Ausgangsmaterial. | pouet |
| 11 | Arte Sanity | 1993 | Grafik Ra, Code Mr. Pet/Chaos, Musik Moby — elegante Effekte auf 1 Disk. | pouet |
| 12 | Origin Complex | 1993 | Ikonisches AGA-Demo, setzte die A1200-Messlatte. | pouet |
| 13 | Nexus 7 Andromeda | 1994 | Effekt-Feuerwerk auf AGA, Musik Interphace — jahrelang zitiert. | pouet |
| 14 | Closer CNCD | 1995 | Tor zum Newschool-Design: clean, choreografiert, schnelles Editing. | pouet |
| 15 | Tint The Black Lotus | 1996 | Erste prominente 18-Bit-Chunky-to-Planar-Anwendung auf AGA. TBL-Durchbruch. | pouet |
| 16 | Captured Dreams The Black Lotus | 1997 | AGA-Referenz mit runder Regie und markanter Farbwelt. | pouet |
| 17 | Lapsuus Maturefurk | 2001 | Überraschungssieg bei Assembly 2001 gegen die PC-Konkurrenz. | pouet |
| 18 | Planet Potion Potion | 2002 | "Vollwertige" Demo-Regie in nur 64 KB inkl. Synth-Stimme. | pouet |
| 19 | Ocean Machine The Black Lotus | 2005 | Organische Szenen, komplexe 3D — definiert Amiga-Ambiente-Demo. | pouet |
| 20 | Eon ⭐ The Black Lotus | 2019 | Läuft auf Stock-A500 mit 512 KB Erweiterung! Zwei Meteoriks 2020. | pouet |
Revision 2025 "Grow Beyond" Top-5 Amiga-Demo:
Nordlicht 2025 brachte u. a. Stonenautica (Stonehead) und The Only Way Is Up (Akronyme Analogiker + Fairlight) auf vordere Plätze.
Evoke 2024 Top-3: A.I. LOVE YOU (Razdee/Onslaught), Hatching the Plan (Rift), Flow (Enfys).
2025 u. a. Ordo (Steffest, Amiga) in "New Talent" nominiert. Verleihung jährlich auf der Revision.
Ein Spiel schreiben? Ein Tool basteln? Assembler-Power oder lieber BASIC? Der Amiga hat die wohl vielfältigste Sprachen-Landschaft der 8/16-Bit-Ära. Hier ist der Wegweiser — und unser Amigo-KI-Assistent hilft dir bei den meisten davon.
BASIC-Dialekt von François Lionet (1990), speziell für Amiga-Spielentwicklung. Eingebaute Befehle für Sprites, Bobs, Screens, Maps, Musik. Sofort produktiv — in 2 Stunden steht das erste spielbare Prototyp.
BASIC-Compiler mit Inline-Assembler — generiert nativen 68k-Code. Erheblich schneller als AMOS, Zugriff auf alle Amiga-Hardware-Register. Viele kommerzielle Amiga-Spiele der 90er wurden damit geschrieben (Skidmarks, T-Zero).
Die Sprache des AmigaOS selbst. Alle Libraries sind in C geschrieben, das offizielle NDK (Native Developer Kit) ist C-basiert. Für ernsthafte Anwendungsprogrammierung, Systemtools, AmigaOS-Erweiterungen.
Jede Demo der Amiga-Demoscene ist in 68k-ASM geschrieben. Absolute Kontrolle über Copper, Blitter, Paula, Chip-RAM-Timing. Devpac 3 auf dem Amiga, vasm Cross-Platform.
Wouter van Oortmerssens objektorientierte Sprache, syntaktisch zwischen C und Modula. Sehr schneller Compiler, integrierte GUI-Libraries. Hätte groß werden können, kam aber zu spät für die Amiga-Kommerz-Ära.
Kommerziell, Airsoft Softwair (Andreas Falkenhahn). Multimedia-Scripting-Sprache, baut Cross-Platform-Apps aus einer einzigen Quelle für AmigaOS 3/4, MorphOS, AROS, Windows, macOS, Linux, Android. Aktiv entwickelt (Version 10 aus 2024).
IBMs REXX auf dem Amiga. Inter-Process-Communication, Skripting, Anwendungs-Automatisierung. Viele klassische Amiga-Programme (GoldED, Directory Opus, IBrowse) haben ARexx-Ports — du steuerst sie per Skript.
| Dein Ziel | Empfehlung |
|---|---|
| Erstes kleines Spiel, schnell Ergebnis | AMOS Professional |
| Kommerzielles Amiga-Game, Speed ist wichtig | Blitz BASIC 2 oder C + ASM |
| Systemtool, AmigaOS-Integration | C (SAS/C oder VBCC) |
| Demoscene, Copper/Blitter-Magie | 68k-Assembler |
| Cross-Platform (auch Windows/Android) | Hollywood |
| Tools per Skript verbinden | ARexx |
| Modernes Cross-Compile auf PC entwickeln | GCC (Bebbo) oder vasm |